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Change by Evolution (4600 Zeichen)

Die Stadt Wien inszeniert das Charles Darwin Jahr


Charles Darwin hat wie kaum ein anderer Wissenschafter an scheinbaren Grundgerüsten des menschlichen Selbstverständnisses gerüttelt. Kaum ein anderer Autor und Wissenschafter ruft bis heute derart unterschiedliche, teilweise heftige Reaktionen hervor wie Charles Darwin. Darwins Evolutionstheorie besagt, auf einen Satz gebracht, dass sich alle Organismen durch winzige Merkmale unterscheiden, und dass gerade diese zur Grundlage des Artenwechsels werden können. Merkmale, die für ein Tier oder eine Pflanze vorteilhaft sind, vergrößern die Überlebenschancen, Merkmale die nachteilig sind, verringern sie.

 

Nikolaus Kopernikus, der große Physiker, hat die ersten große narzisstische Kränkungen der Menschheit verursacht. Nicht die Erde, sondern die Sonne steht im Mittelpunkt des Universums. Charles Darwin ist Urheber der zweiten großen Kränkung. Der Mensch ist nicht Akt einer einmaligen, gottverursachten Schöpfungsaktes, sondern hat sich aus der Natur heraus entwickelt. Sigmund Freud schließlich rief die dritte nazistische Kränkung hervor. Der Mensch ist nicht Herr seiner selbst, er ist das Unbewusste, das ihn leitet.

 

Darwin ist permanente Provokation
Jeder der drei großen Wissenschafter, die nebenbei auch großartige Autoren waren, hat breite und nachhaltige Wirkung entfaltet - aber keiner wird heftiger diskutiert als er. Kaum ein anderer hat moderne Naturwissenschaften, Biologie, Molekularwissenschaften, Biochemie, Neurowissenschaften, aber auch Geisteswissenschaften - derart beeinflusst und zu neuen Erkenntnissen dynamisiert wie Charles Darwin.

 

Change by Evolution
Darwin ist bis heute ein Reizwort und gleichzeitig permanentes Missverständnis. Schon aus diesem Grund hat die Stadt Wien im Darwin-Jahr 2009 unter dem Rahmen und Motto „Change by Evolution" eine Reihe von Veranstaltungen, Ausstellungen, Symposien, Führungen und Workshops unter einem zentralen kommunikativen Dach versammelt und die Fülle von Veranstaltungen in einem übersichtlichen Rahmen präsentiert.

 

„Es wäre überheblich zu behaupten, wir hätten den Stein der Weisen erfunden oder würden aus eigener Kraft neue Erkenntnisse zu Darwin zutage bringen", so Professor Dr. Hubert Christian Ehalt, Leiter der Abteilung Wissenschaft in der Stadt Wien und Begründer der renommierten „Wiener Vorlesungen", zum Darwin-Jahr: „Aber wir haben versucht, die Fülle an Einzelevents zu koordinieren, systematisieren und zu kommunizieren und gleichzeitig mit einer leicht verständlichen, permanenten aktualisierten Homepage (www.charles-darwin-jahr.at) allen Interessierten Zugang zu Charles Darwin und den aktuellen Diskussionen und Forschungserkenntnissen zu ihm und zur Evolutionstheorie zu verschaffen. Parallel dazu tragen wir alle diese Initiativen nach außen. Wir sind Kommunikationsdrehscheibe und Vermittler. Dies ist auch die Kernaufgabe unserer Abteilung".

 

Die Highlights des Charles Darwin-Jahres

Zwölf Monate lang steht die Stadt Wien im Zeichen Darwins: Von Februar 2009 bis Februar 2010 sorgen 16 Veranstaltungen für ein tieferes Verständnis der Evolutionstheorie und ihrer Folgen.

Nach der Eröffnung des Darwin-Jahrs durch die Wiener Vorlesungen lädt am 3. März die Österreichische Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit der Universität Wien und den Wiener Vorlesungen zum Symposium „Evolution - Die Grundlage für ein Verstehen des Wandels in der Welt": Im Verlauf von vier Tagen wird untersucht, wie die Evolutionstheorie sich in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen abbildet - der Bogen reicht von der Neurobiologie über die Ökonomie bis zur Kunstgeschichte.Im Anschluss untersuchen Wissenschaftler der Universität Wien die Evolution des Schlafes unter dem Titel „Vom Urmenschen zum Uhrenmenschen" (17. März).

 

Eine Ausstellung im öffentlichen Raum lässt den Betrachter ab Juni auf den Spuren Darwins wandeln: Auf Litfaßsäulen und City Light Vitrinen wird die Reise mit der Beagle nachvollzogen und das Leben und Werk Darwins vorgestellt. Die Ausstellung beginnt vor dem Naturhistorischen Museum, führt über Schottenring und Freyung zurück bis vor das Völkerkundemuseum. „Homo Sociobiologicus - Evolution der Kooperation beim Menschen" nennt sich eine interdisziplinäre Universitätstagung, bei der Forscher der Soziobiologie, Sozialwissenschaften, Anthropologie und Philosophie in Dialog treten und bei der die Relevanz von Formen der Kooperation nachgewiesen wird.

 

Die bildende Kunst nähert sich dem Thema unter dem Motto „Evo Evo!". Die vom Kuratorenteam Peter und Ingeborg Braunsteiner gestaltete Ausstellung im Wiener Künstlerhaus richtet den Fokus vor allem auf die geistig-kulturellen Aspekte der Entwicklungsgeschichte - die Kulturevolution und zeigt Kommentare und Positionen von dreißig bildenden Künstlerinnen und Künstlern zu den Themen: „Schrift-Symbol-Sprache" „Gestalt und Form", „Zucht und Ordnung", Mensch und Tier" (18. September bis 22. Oktober, Künstlerhaus Wien). Im Oktober

16 Veranstaltungen sind bis jetzt geplant - bis in den Februar 2010 hinein, wo die katholisch-theologische Fakultät internationale Wissenschaftler die Frage „Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube - eine Herausforderung für Biologie, Theologie und Philosophie sowie für den interdisziplinären Diskurs" diskutieren lässt (23. bis 26. Februar 2010, Universität Wien).

Charles Darwin - Die Welt der Wissenschaft

Wie viel der ursprünglichen Thesen Charles Darwins der Evolutionstheorie enthalten ist, untersucht diese Ö1-Sendung vom 15.12.2009.