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Symposium "Vom Urmenschen zum Uhrenmenschen"

 

Der "bürgerliche Schlaf" ist ein modernes Phänomen. Noch vor circa hundert Jahren war ein Schwätzchen um drei Uhr morgens durchaus üblich. Beim Symposium "Evolution des Schlafes", das am 17. März im Rahmen des Wiener Darwin-Jahrs stattfand, diskutierten Forscher darüber, ob und wie sich der Schlaf des Menschen an die moderne Lebenswelt anpasst.

 

 

Nein, durchzuschlafen sei keineswegs ein Zeichen für „guten" Schlaf. Jürgen Zulley von der Psychiatrischen Klinik der Universität Regensburg räumte gleich zu Beginn seines Vortrags mit einem Vorurteil auf: Bis zu viermal in der Stunde wachen wir auf und bleiben bis zu drei Minuten munter - ein Erbe aus der Savanne, wo der Säbelzahntiger auf seine Beute lauerte.

 

Schlafstörung beginne dort, wo diese 3-Minuten-Grenze überschritten werde und ein verhängnisvoller Kreislauf in Gang gebracht werde: „Dann wird mir so richtig bewusst, dass ich wach bin, ich ärgere mich darüber oder habe Angst, morgen nicht ausgeruht zu sein - und kann erst recht nicht einschlafen.

 

Dabei geht es auch anders. Manchen Naturvölkern ist der „geblockte" Schlaf, wie er bei uns die Norm ist, durchaus fremd. Sie legen nächtens Holz nach, unternehmen kleine Rundgänge, ehe sie sich wieder zur Ruhe legen. Und auch in unserern Breitengraden ist der „bürgerliche Schlaf" von 11 bis 7 Uhr ein modernes Phänomen: „Noch bis vor etwa hundert Jahren war es üblich, nach dem ersten Schlaf, der ein paar Stunden dauerte, aufzustehen. Man zog sich an, trank etwas und plauderte mit den Nachbarn. Oder vergnügte sich anderweitig. Ratgeber empfahlen die Stunde nach dem „primo somno" als geeigneten Zeitpunkt für Sex.

 

Wie unterschiedlich sich das Schlafverhalten in den verschiedenen Kulturen ausprägt, zeigte die Japanologin Brigitte Steger, die aus Cambridge anreiste. So ist in Japan der „Anwesenheitsschlaf", also das Nickerchen etwa bei einem Vortrag oder am Arbeitsplatz, durchaus gesellschaftlich akzeptiert, und in manchen südostasiatischen Ländern gilt zu viel Ruhe in der Schlafumgebung als störend, weil unheimlich.

 

Auch in der Kindererziehung zeigen sich unterschiedliche Zugänge: Während in Großbritannien dringend empfohlen wird, den Nachwuchs ins eigene Bett zu legen, meinen japanische Ratgeber, die Mutter sollte beim Kind bleiben. Dass die Kinder in Großbritannien so zur Selbständigkeit erzogen werden, hält Steger für einen Mythos: „Zehn Prozent der britischen Kinder entscheiden als Zehnjährige selbst, wann sie schlafen gehen. Aber 50 Prozent der japanischen."

 

Dem Thema „Lernen im Schlaf" galt ein größerer Block. Peter Anderer von der Medizinischen Universität Wien wies mit Hilfe bildgebender Verfahren nach, dass sich anhand der Deltaaktivität in bestimmten Arealen Lernprozesse nachweisen lassen. Je höher die Aktivität, desto geringer die Fehlerrate z.B. beim Spiegelzeichnen. Doris Moser von der Uniklinik für Neurologie stellte eine Studie über das Power-Napping vor, mit der nachgewiesen werden konnte, dass circa 20 Minuten Kurz-Schlaf nicht nur das subjektive Empfinden verbessern, sondern auch tatsächlich das Reaktionsvermögen.

 

John Dittami referierte über den Schlaf in der Tierwelt: Ziesel werden während des Winterschlafes, der ja eigentlich kein Schlaf ist, regelmäßig munter - und nutzen die Zeit, um zu schlafen. Hindert man sie daran, wirken sie desorientiert. Besonders wichtig für das Lernen: der REM-Schlaf, jener Schlafmodus, in dem sich die Augen bewegen und das Gehirn aktiver erscheint als im Wachzustand. Der Anteil des REM-Schlafes steigt in Zeiten vermehrten Lernens.

 

Das nächste Symposium im Rahmen des Wiener Darwin-Jahrs: "Darwin und der Darwinismus", 16. bis 18. April, Naturhistorisches Museum.

Charles Darwin - Die Welt der Wissenschaft

Wie viel der ursprünglichen Thesen Charles Darwins der Evolutionstheorie enthalten ist, untersucht diese Ö1-Sendung vom 15.12.2009.