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16. Nov. 2009, 11:31

Darwin und die Sklaverei - eine Neuinterpretation und die Neubelebung eines Diskurses

 

Das Schlagwort des Daseinskampfes, des „struggle for existence“, stammt nicht aus dem Arsenal der Evolutionstheorie, sondern ist von dem Soziologen Herbert Spencer geprägt worden. Es wirkt so, als sollte damit die soziale Auseinandersetzung angeheizt werden. Die biologische Theorie Darwins unternahm dagegen alles, um die Grausamkeit des Evolutionsgeschehens abzumildern. Henning Ritter fasst in der FAZ zusammen.

 

Die Grausamkeit des Daseinskampfs in der Natur sollte allenfalls als Randphänomen erscheinen. Darwins Theorie beschrieb nur einen winzigen Ausschnitt des Evolutionsgeschehens als grausam im handgreiflichen Sinne. Die Evolution tat ihre Arbeit nicht in den blutigen Szenen des Daseinskampfes, sondern in der unendlich langsamen Anpassung der Organismen an ihre Existenzbedingungen.

 

Darin sah Darwin seine entscheidende Entdeckung, mit deren Publikation er so lange hinter dem Berg hielt. Aufgrund des Auslesemechanismus nahm der Daseinskampf, jenseits der Kämpfe um Nahrung und Führung, den Umweg über die Anpassung an wechselnde Bedingungen des Überlebens.

 

Jedes Lebewesen, das in diesen Prozess verwickelt war, war Täter wie Opfer. Nach demselben Gesetz, nach dem eine Art durch eine andere ersetzt und verdrängt wurde, hatte auch die siegreiche Art ihren Tribut zu errichten, wenn die Lebensbedingungen es forderten.

 

 

Die Episode der Moral

 

Der Kampf war nur ein Epiphänomen. Die Grausamkeit des Geschehens verschwand in der ungeheuren Zeitdimension einer mahlenden Allmählichkeit. Deswegen hat der Begriff des Daseinskampfes im Denken Darwins nur eine untergeordnete Rolle gespielt, er hat ihn erst in der zweiten Auflage von „The Origin of Species“ aufgenommen.

 

Bis dahin war von der Anpassung an veränderte Existenzbedingungen die Rede, als wäre dies ein gewaltloser Vorgang: Grausamkeit ohne Grausamkeit, wie die Formel lautete, die Stendhal für das neunzehnte Jahrhundert geprägt hatte, um dessen Leidenschaftslosigkeit anzuprangern. In einem anderen als dem gemeinten Sinn erwies sich diese Formel als Schlüssel für das Jahrhundert.

 

 

Evolution als lange Entwicklungsphase

 

Die Evolution war die geduldige Arbeit der Natur, die in einem unaufhaltsamen Prozess schrittweiser Veränderung das Gesetz des Lebens anwandte. Der Entwicklungsprozess ließ für Leidenschaften im Guten wie im Bösen keinen Raum, und folgerichtig war die Theorie Darwins, im Gegensatz zur darwinistischen Weltanschauung, auch ein einziges Plädoyer, die Natur nicht länger unter moralischen Kategorien zu betrachten.

 

Der Entwicklungsprozess ignorierte alle moralischen Begriffe, und angesichts der großen Rechnung, die er aufmachte, musste es aussichtslos erscheinen, ein Bild des Geschehens festzuhalten, in das moralische Kategorien eingewoben waren.

 

Er rechnete in Zeitdimensionen, in denen die Epochen der Moral nur eine Episode ausmachten. Überblickte man den Gesamtprozess, dann ergab sich ein Bild des Wandels, in dem alles ständig sein Aussehen änderte. Die Erhaltung der Art war das einzige Beständige im bunten Bild der Anpassung. Das galt auch für die Natur des Menschen.

 

 

Aus dem Kampf erwachsene Moral

 

Die Entmoralisierung, die durch Darwins Theorie bewirkt wurde, konnte eine Betrachtungsweise nicht gänzlich entmutigen, die, zurückblickend auf das ungeheure Ausmaß der Gewalt in der Geschichte, diese als Bedingung der Höherentwicklung rechtfertigte oder zumindest in Rechnung stellte. Es war verlockend und doch ein Missverständnis, auch die geschichtlichen Siege und Niederlagen mit dem kalten Blick der Evolutionslehre zu betrachten.

 

 

Abstrahierung von Gewalt

 

In dieser Optik war Gewalt nicht als Gewalt, Grausamkeit nicht als Grausamkeit anzusehen. Sie waren bloß Erscheinungsformen einer Entwicklung, deren Nutznießer der Betrachter auf seinem, wenigstens momentan, gesicherten Standort des zivilisierten Daseins war. Er schmeichelte sich mit dem Gedanken, dass sich die mildere Moral der Zivilisation auf dem Schlachtfeld grausamer Kämpfe erhoben hatte, aber dass die Kämpfe nicht umsonst gewesen waren.

 

Das Schauspiel des Daseinskampfes in der Natur lehrte, wie viel Grausamkeit nötig gewesen war, um das bisherige Evolutionsergebnis herbeizuführen.

 

Das Viktorianische Zeitalter bediente sich des Euphemismus der Anpassung, wenn es die Grausamkeit der sozialen Forderungen meinte.

 

In der Sprache von Darwins „Origin of Species“ wurde freilich alles getan, um solche Grausamkeitsassoziationen zu unterbinden. Offenbar wolle Darwin jede Analogisierung mit der menschlichen Erfahrungswelt fernhalten, wie er auch sonst in seinem Hauptwerk jede Anwendung seiner Theorie auf den Menschen aus seinen Darlegungen ausklammerte.

 

 

Malthusianische Keile

 

Es gehörte zu Darwins publizistischer Strategie, Auseinandersetzungen über theologische und soziale Fragen im Zusammenhang mit seiner Theorie zu vermeiden. In der Zeit, als er den Auslesemechanismus entdeckte, war seine Sprache energischer als später.

 

Man weiß aus seinen Notizbüchern, dass eine Lektüre des berühmten Bevölkerungsessays von Robert Malthus zu seiner Erkenntnis des Auslesemechanismus entscheidend beigetragen hatte.

 

In ihrer Darwin-Biographie meint Janet Browne, dass bestimmte Formulierungen von Malthus Darwin wie ein Blitz getroffen hätten. Bei Malthus kommt der Ausdruck „struggle for existence“ vor: „Und wenn sie irgendwelche Stämme von derselben Art wie ihre eigenen überfielen, dann war der Streit ein Kampf ums Dasein, und sie fochten mit einem verzweifelten Mut, den ihnen der Gedanke eingab, dass Tod die Strafe für eine Niederlage war und Leben der Lohn des Sieges.“

 

Malthus spricht weiter von der „ungeheuren Verschwendung menschlichen Lebens“, die allerdings „mehr als ausgeglichen wird durch die machtvolle Bevölkerungsstärke“.

 

 

Darwins Notizen

 

Als Darwin seine Entdeckung in sein Notizbuch eintrug, bediente auch er sich eines kräftigen Bildes, nämlich das des Keilens: „Man könnte sagen, dass es sich um eine Kraft handelt wie hunderttausend Keile, die jede Art von angepasster Struktur in die Lücken der Ökonomie der Natur treiben oder vielmehr Lücken schaffen, indem sie schwächere hinausschleudern. Die Zweckursache all dieses Keilens muss sein, geeignete Strukturen auszulesen und sie an den Wandel anzupassen.“

 

So hatte Malthus den Krieg beschrieben: Einige Individuen werden vernichtet, damit andere in einem dynamischen Gleichgewicht erhalten bleiben. Darwin fügte hinzu, dass die am besten Angepassten überlebten.

 

 

Wirtschaft als Naturgeschichte

 

Dolf Sternberger hat Darwins Lehre in seinem bedeutenden Buch „Panorama“ die „mächtigste, populärste und einflussreichste ideologische Neuerung des neunzehnten Jahrhunderts“ genannt. Die Bedeutung der Theorie Darwins gehe weit über ihre Rolle in der Biologie hinaus, und es sei kein äußerlicher Zusammenhang und auch kein Missverständnis, wenn man in ihr eine „ungeheure Bestätigung und Rechtfertigung des Konkurrenzkampfes“ und ein „Wiederfinden und Wiederlesen dieses Grundphänomens der neueren Wirtschaft in den riesigen Zeichen der Naturgeschichte“ sehe.

 

Vor allem aber habe Darwins Lehre eine Handhabe geboten, um die Verluste und Gewinne im Prozess der Auslese und der ökonomischen Optimierung gegeneinander zu verrechnen. Nach Darwins Theorie fand jede sinnlose Vernichtung ihren Sinn in der Steigerung der Lebenschancen der Davongekommenen.

 

Alles, was ist, schreibt Sternberger, ist erfolgreich - für den einen Entwicklungsaugenblick, in dem es sich behauptet. Eine Moral, die sich auf diese Lotterie einließ, konnte keine dauerhaften Bewertungen aussprechen. Alles war provisorisch geworden. In diesem Provisorium lag auch die Rechtfertigung, sich gegenüber fremdem Leid unempfindlich zu zeigen.

 

 

Evolution der kleinen Schritte

 

Darwin entwarf den Mechanismus einer Entwicklung, die auf einen unbegrenzten Zeitbedarf eingerichtet war. An die Stelle der Schöpfungsakte, die ihm schon früh suspekt waren, trat eine Evolution der kleinen Schritte, die sich beliebig dehnen ließ. Der Erklärung bedurfte nun, wie Sternberger bemerkte, warum nicht überall Abstufungen und Übergänge zu sehen waren, sondern deutlich voneinander abgegrenzte Arten.

 

Er erläutert dies mit einem Beispiel aus der Ökonomie: Wie die erfolgreiche Firma den nächsten Konkurrenten das Wasser abgräbt oder sie schluckt, bis schließlich an die Stelle einer bunten Vielfalt Monotonie tritt, löscht jede gelungene Abänderung die weniger erfolgreichen Übergangsformen in ihrer Umgebung aus und schafft um sich herum eine Leere, die den Eindruck einer deutlichen Abgrenzung der Arten entstehen lässt.

 

 

Selbstzweifel der Zivilisation

 

Im Zeitverlauf waren nun das Frühere und das Spätere, das Höhere und das Niedere, das Gute und das Böse so miteinander verspannt, dass eine moralische Beurteilung nicht mehr möglich war. Diese Unsicherheit des moralischen Urteils wurde freilich dadurch kompensiert, dass die von der Entwicklung eingeschlagenen Wege mit der Prämie der Tatsächlichkeit ausgezeichnet waren.

 

Es handelte sich um tatsächlich Erreichtes, von dem aus man auf niedere Stufen des Lebens zurückblicken konnte. Die Moral, schließt Sternberger, wurde zum Ausdruck einer biologischen Überlegenheit, war also mit stärkeren Rechtfertigungen versehen, als sie es je gewesen war.

 

 

Ausdruck von Unsicherheit?

 

Das zwanghafte Bemühen, alles an die entwicklungsgeschichtlichen Vorgaben anzuschließen, kann allerdings auch als Ausdruck einer tiefen Unsicherheit erscheinen. Die Selbstzweifel der Zivilisation waren offenbar so stark geworden, dass diese sich nicht mehr aus sich selbst heraus zu stabilisieren vermochte. Trotzdem blieb der Mensch der Begünstigte des Entwicklungsprozesses.

 

Aber seine Humanität wurde in dem Maße, wie sie nicht erworben werden kann, zu einer Anmaßung. So steckte in dem entwicklungsgeschichtlich begründeten Begriff der Zivilisation eine Verrohung, die nur durch eine von der Evolution nicht vorgesehene humane Energie zum Ausgleich gebracht werden konnte. Um so bedrückender musste es erscheinen, wenn diese Aufgabe versäumt wurde durch die Verblendung, der die tüchtigsten Vertreter der Zivilisation erlagen, weil sie die Humanität durch den Entwicklungsprozess für garantiert hielten.

 

 

Das Wilde und das Zivilisierte

 

Auf diese vertrackten Verhältnisse von Moral und Evolution reagierte Darwin mit einem moralischen Quietismus. Diese Haltung hat er nur in einer einzigen Frage aufgegeben - in der Sklavenfrage. Es war die einzige moralische und politische Frage, zu der er öffentlich Stellung bezog. Schon im Tagebuch, das er während der Weltumsegelung mit der „Beagle“ führte, sind die Eintragungen in Bahia, als er zum ersten Mal dem Anblick einer Sklavengesellschaft ausgesetzt ist, Zeugnisse einer Erregung, für die man in seinem späteren Leben kaum Vergleichbares findet.

 

Dass die Portugiesen völlig ungestört Afrikaner nach Brasilien brachten und dass hier keine Schritte zur Sklavenbefreiung unternommen wurden, nannte Darwin einen „Skandal der christlichen Nationen“. Er war entgeistert über das Ausmaß dieses Handels und über die Verbissenheit, mit der er verteidigt wurde. Besonders verwunderte ihn, dass die Menschen, die in diesen Handel verwickelt waren, zu Hause in ihrem Verhalten nicht weiter auffielen.

 

 

Darwins "Anti-Moral"

 

Darwins Erschrecken zeigt wie kaum eine andere seiner Äußerungen das Bedürfnis, in moralische Distanz zu seiner Zeit zu treten. Zwar konnte er sich - die Engländer hatten den Sklavenhandel damals bereits aufgegeben - im Einklang mit den humanitären Überzeugungen seiner eigenen Gesellschaft fühlen, nicht aber mit den Überzeugungen vieler seiner Zeitgenossen und der Zivilisation insgesamt. Die Sklavenfrage betraf auch seine am tiefsten verwurzelten theoretischen Überzeugungen, vor allem die von der Einheit der menschlichen Gattung. Die Schlüsselrolle der Sklavenfrage für Darwins Werk und Leben haben unlängst Adrien Desmond und James Moore in „Darwin's Sacred Cause“, einer eindrucksvollen Biographie, dargestellt.

 

 

Rassismus als Schein

 

Nachdem 1837 die „Aborigines' Protection Society“ gegründet worden war, beteiligte sich Darwin 1840 sogar an der Erstellung eines Fragebogens über primitive Rassen. Die Menschheit sollte in dieser Erhebung als Gegenstand der Naturgeschichte betrachtet werden. Die naturgeschichtliche Sicht sollte die Unterschiede, vor allem aber deren übertriebene, von Gefühlen des Abscheus begleitete Wahrnehmung korrigieren, die er selbst bekundet hatte, als er auf der „Beagle“-Expedition in der Tierra del Fuego im Dezember 1832 zum ersten Mal einen Feuerländer sah: „Ich hätte nie glauben können, wie groß der Unterschied zwischen dem Wilden und dem Zivilisierten sein kann.“

 

 

Fluch der Sklaverei

 

Fast dreißig Jahre später wurden ähnliche Emotionen durch den amerikanischen Bürgerkrieg wachgerufen. Damals trat Darwin mit der Londoner „Ethnological Society“ öffentlich auf. In seinem Briefwechsel mit Asa Gray, dem amerikanischen Anhänger seiner Lehre, ließ er sich, erregt über den Krieg um die Sklaverei, sogar zur Anrufung Gottes herbei: „Ich habe nicht eine einzige Seele gehört oder gesehen, die nicht mit dem Norden ist.

 

Einige wenige, und ich bin einer davon, flehen sogar zu Gott, dass der Norden, sogar um den Preis des Verlusts von Millionen Menschenleben, einen Kreuzzug gegen die Sklaverei ausrufen möge.“ Der Gewinn für die Sache der Humanität würde sich auf lange Sicht vielfach auszahlen, auch wenn eine Million Tote in Kauf zu nehmen wären.

 

 

Darwins Anti-Sklaverei-Ruf

 

Mit dem Ausruf: „Großer Gott, wie gerne sähe ich diesen größten Fluch auf Erden, die Sklaverei beseitigt“, schloss Darwin sein Bekenntnis. Browne hat auch hier darauf hingewiesen, dass Darwin in seiner Erregung darüber hinwegsah, in welchem Maße die englische Gesellschaft noch zu den Nutznießern der Sklaverei gehörte.

 

Ohne darüber nachzudenken, konnte er schließlich den Ausgang des Amerikanischen Bürgerkrieges folgendermaßen begrüßen: „Ich erkläre“, schreibt er an Asa Gray, „ich kann die großartige, herrliche Tatsache noch immer nicht begreifen, dass die Sklaverei in Ihrem Lande zu Ende ist.“

 

Für Darwin, der sich in seiner Ablehnung der Sklaverei stets auf die natürliche Einheit des Menschengeschlechts berief, muss es ein unheimlicher Augenblick gewesen sein, als er bei den Ameisen auf Formen natürlicher Sklaverei stieß. Er musste fürchten, in der Natur selbst das Widernatürliche entdeckt zu haben.

 

Jeder sei entschuldigt, schrieb er, der die Wahrheit eines so außergewöhnlichen und widerlichen Instinkts anzweifle. Hier drängte sich nun die Annahme einer Kontinuität zwischen Natur und Mensch auf. Konnte die zivilisierte Menschheit so gedemütigt werden?

 

 

Darwin war kein Darwinist

 

Wie Janet Browne anmerkt, wählte Darwin nicht den Ausweg, statt von Sklaverei etwa von Symbiose oder Kooperation zu sprechen, wie man es verharmlosend bei der Sklaverei tat, wenn man sie als eine besondere Form der menschlichen Zusammenarbeit darstellte.

 

Die Sklaverei, die er bei den Ameisen entdeckte, gehörte in die Reihe jener Naturerscheinungen, die Darwin einen unüberwindlichen Abscheu vor der Natur eingaben und schon früher zu dem berühmten Ausruf veranlasst hatten: „Was für ein Buch könnte ein Kaplan des Teufels über das plumpe, verschwenderische, stümperhaft niedrige und entsetzlich grausame Wirken der Natur schreiben!“

 

 

Polemiken der Polemiker

 

Die Gegner des Darwinismus, die im Mechanismus der Auslese ein Naturgesetz der Grausamkeit erkennen wollten, verkannten in Darwins Augen, dass es in der Natur Erscheinungen gab, die, im Unterschied zur natürlichen Auslese, tatsächlich die Bezeichnung Grausamkeit verdienten. Die populären Bilder des grausamen Überlebenskampfs in der Natur entsprangen dagegen einer unpassenden Moralisierung der Wahrnehmung von Naturvorgängen. Das eigentliche moralische Rätsel, der Natur, lag in Erscheinungen wie der Sklaverei bei den Ameisen, deren Verlängerung in die Menschenwelt moralisch unerträglich war.

 

Keine Lehre des neunzehnten Jahrhunderts hat die Grausamkeitsphantasie der Zeit so sehr angeregt wie der Darwinismus mit seinen Schlagworten vom Daseinskampf und vom Überleben der Tüchtigsten. Die Szenen der Grausamkeit in der Natur, wie die Kämpfe wilder Tiere, die die Malerei der Zeit gerne dargestellt hat, wurden mit anderen Augen gesehen, seitdem die Schlagworte des Darwinismus in der Welt waren.

 

Sie erschienen als Ausdruck einer umfassenden Gesetzlichkeit, der alle Lebewesen unterworfen waren und die selbst in ihren grausamsten Formen hingenommen werden mussten. Sie waren zugleich Symbole für Herrschaft und Unterordnung in der Gesellschaft. Dieser Darwinismus der Grausamkeit hat lange Zeit einen Schatten auf die Theorie Darwins geworfen und legt die Behauptung nahe, dass Darwin kein Darwinist gewesen ist.

Charles Darwin - Die Welt der Wissenschaft

Wie viel der ursprünglichen Thesen Charles Darwins der Evolutionstheorie enthalten ist, untersucht diese Ö1-Sendung vom 15.12.2009.