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19. Nov. 2009, 10:32

Evolution des Menschen keineswegs abgeschlossen

Symposium "Evolutionsbiologie – Trends und Perspektiven"

 

Am 6. November fand im Naturhistorischen Museum Wien das Symposium "Evolutionsbiologie - Trends und Perspektiven" statt. Neue Erkenntnisse und aktuelle Forschungstrends wurden dabei vorgestellt. Eine Nachlese.

 

Trotz mehr oder weniger starker Abkoppelung von der Natur kann sich der Mensch einer Evolution seiner Gene nicht entziehen. Jüngste Beispiele für Anpassungen sind etwa die Entwicklung von Milchzucker-Unverträglichkeit im Erwachsenenalter oder auch die Veränderung von Häufigkeiten von bestimmten Blutgruppen durch Krankheiten wie die Pest, erklärte Ines Hellmann (Uni Wien).


Die Pest hat nachweislich die Zusammensetzung der Blutgruppen in Europa verändert, da deren Träger unterschiedlich empfindlich gegenüber der Krankheit sind. Bei regional bis zu 60 Prozent Erkrankungsrate hatten diese Epidemien unmittelbare Auswirkungen.

 

"Die Unverträglichkeit gegenüber Laktose (Milchzucker) im Erwachsenenalter ist weder eine Krankheit noch eine Störung, sondern die ursprüngliche Situation beim Menschen", so Hellmann. Erst mit Beginn der Viehwirtschaft hat sich die Situation verändert. Zufällig entstandene Mutationen, bei welchen die Produktion des Laktose abbauenden Enzyms Laktase aufrecht bleibt, haben sich in Afrika und Europa durchgesetzt.

Irrtum

 

Die Evolutionsforscherin räumte mit dem Irrtum auf, dass dicke Menschen eine wie auch immer geartete Störung haben und dass "ein gesunder Mensch weiß, wann er genug hat". "Aus evolutionärer Sicht ist das Unsinn, wir sind immer noch für wechselnde Verhältnisse gebaut, in denen schlechte auf gute Zeiten folgen und umgekehrt", sagte Hellmann. Wer sich in guten Perioden keinen Fettvorrat angegessen hatte, hatte in der folgenden Hungerperiode große Probleme. Mit anderen Worten: Vor ständig vollen Schüsseln dick zu werden, ist eher der Normalfall.

 

 

Beispiel HIV

 

Wie die Evolution den Menschen in Zukunft formen wird, darüber wagt die Wissenschafterin keine Prognose. Aber es dürften vor allem Krankheiten sein, welche einen sogenannten Selektionsdruck ausüben und so die eine oder andere zufällige Veränderung (Mutation) bevorzugen. So gebe es derzeit in Teilen Afrikas sicherlich eine Selektion in Richtung HIV-Resistenz.

 

"Es ist bekannt, dass sich nicht alle Menschen gleich leicht mit dem HI-Virus infizieren", so die Wissenschafterin. Vor allem in Gegenden mit extremen Durchseuchungsraten könnten sich rasch gegen das Virus resistente oder wenigstens unempfindlichere Typen durchsetzen. Allerdings, so betonte Hellmann, würde die Verbreitung eines Impfstoffes diesen Evolutionsvorgang sofort stoppen, da der Vorteil der Unempfindlichkeit dann keine Rolle mehr spielte.

 

Wenig Einfluss auf evolutionäre Vorgänge haben dagegen Krankheiten, die sich vornehmlich im Alter äußern, wie etwa Krebs oder Diabetes. Da Evolution nur über die Nachkommenschaft funktioniert, wird sie uns kaum gegen Krebs immun machen, so Hellmann. Unklar ist, inwieweit sich Umweltgifte auf die Gene auswirken. So wissen die Forscher, dass bestimmte Weichmacher in Kunststoffen die Mobilität von Spermien verringern können, eventuelle Resistenzen gegen die Stoffe könnten zunehmen.

 

Quelle: APA

Charles Darwin - Die Welt der Wissenschaft

Wie viel der ursprünglichen Thesen Charles Darwins der Evolutionstheorie enthalten ist, untersucht diese Ö1-Sendung vom 15.12.2009.