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18. Jan. 2010, 10:11

Darwin als Pop-Star

The Knife veröffentlichen Studio-Version von „Tomorrow, In A Year"

 

Die experimentelle Elektro-Pop-Oper „Tomorrow, In A Year” der dänischen Performance-Gruppe Hotel Pro Forma und den Künstlern Mt. Sims und Planningtorock gilt als  eines der herausragenden Bühnenereignisse der aktuellen Theaterszene. Am 5. März 2010 (Digital bereits am 5. Februar) erscheint die Studio-Version des Bühnenwerkes als Album (Rabid Records/Cooperative Music/Universal) der schwedischen Elektro-Pop-Band The Knife, die Musik und Libretto zu diesem außerordentlichen Werk geschaffen hat.

 

Ein avantgardistisches audio-visuelles „Kunst-Stück” ist diese Oper über den Evolutionstheoretikers Charles Darwin, die ebenso fasziniert wie die Naturforschungen des großen Briten.

 

Zum 200. Geburtstag des bedeutenden Wissenschaftlers im vergangenen Jahr wurde „Tomorrow, In A Year”, dessen Grundlage der 150 Jahre alte Aufsatz Darwins über „Die Entstehung der Arten” bildet, im September 2009 im Königlich Dänischen Theater in Kopenhagen uraufgeführt.

 

 

Sound & Nature

Das künstlerisch ambitionierte und gewagte Unterfangen ist musikalisch eine spannende Symbiose aus The Knife typischen Elektrosounds, futuristischen Effekten und eigens für das Projekt aufgenommen Naturgeräuschen, die quasi als der Atem Darwins in die betörende Klänge eingehen.

 

Das Stockholmer Geschwisterpaar Olof Dreijer und Karin Dreijer Andersson, die zuletzt auch unter dem Pseudonym Fever Ray zu überzeugen wusste, haben mit dieser spektakulären, Genre überschreitenden Arbeit einen weiteren Beweis ihrer musikalischen Klasse abgeliefert. Lobeshymnen und ein wachsender Kultstatus gehen mit dieser Produktion einher.

 

 

Oper als Experiment

 

Interessant wie sich die Musiker dem bislang für sie fremden Thema Oper angenähert haben. Olof Dreijer beschreibt das folgendermaßen: „At first it was very difficult as we really didn’t know anything about opera. We’d never been to one. I didn’t even know what the word libretto meant. But after some studying, and just getting used to opera’s essence of pretentious and dramatic gestures, I found that there is a lot to learn and play with.

 

In fact, our ignorance gave us a positive respectless approach to making opera. It took me about a year to become emotionally moved by an opera singer and now I really do. I really like the basic theatrical values of opera and the easy way it brings forward a narrative. We’ve approached this before in The Knife but never in such a clear way.”

 

Die Oper als solche angemessen zu beschreiben, fällt schwer. Man stelle sich die Magie von Pina Bausch und ihrem Tanztheater vor, in die nächste Stufe der Evolution mit elektronischen Medien verwachsen und dazu bizarre Melodien und oszillierende Cyber-Klänge, die auf die experimentelle Stimmakrobatik einer Laurie Anderson oder Meredith Monk treffen, wie durch eine Klassikzentrifuge geschleudert.

Charles Darwin - Die Welt der Wissenschaft

Wie viel der ursprünglichen Thesen Charles Darwins der Evolutionstheorie enthalten ist, untersucht diese Ö1-Sendung vom 15.12.2009.