Der lange Marsch von Darwins Ideen

 

Selektion und Mutation - nicht nur in der Biologie ein Begriff

 

Die Evolutionstheorie hat sich weiterentwickelt und ausgebreitet. Disziplinen wie die Sprachwissenschaft, Sozialwissenschaft oder Pädagogik greifen auf die Ideen Darwins zurück.

 

 

Innerhalb der Biologie selbst hat die Theorie seit Darwin mehrere Erweiterungen erfahren. Zum einen wurde eine riesige Fülle an Belegen für den evolutiven Artenwandel selbst zusammengetragen, zum anderen konnte - aufgrund empirischer Untersuchungen und theoretischer Ansätze - unser Verständnis von den Abläufen und Mechanismen der Evolution entscheidend vertieft werden.

 

Innere Selektion

 

In der modernen Evolutionstheorie sieht man Lebewesen nicht als „Spielbälle" äußerer Kräfte, die sich auf Gedeih und Verderb an ihre jeweilige Umwelt anpassen, sondern als aktive Systeme, die ihre eigene Evolution sozusagen mitbestimmen. Wie schon Darwin in Ansätzen dargelegt hat, wirkt die Selektion nicht allein von Seiten der Außenwelt. Auch die „Baupläne" der Organismen, ihre Konstruktions- und Funktionsbedingungen, stellen eine Art Selektion dar („innere Selektion"). Ein anderes Gebiet der modernen Evolutionsforschung, das heute mit vielen interessanten Ergebnissen aufwartet, ist die evolutionäre Entwicklungsbiologie, kurz EvoDevo (evolutionary developmental biology). Hier geht es darum, die Evolution von Entwicklungsprozessen, das heißt von Prozessen der individuellen Entwicklung der Organismen, zu entschlüsseln und schließlich zu ergründen, wie die Baupläne der Lebewesen entstanden sind.

 

Warum kooperieren Lebewesen?

 

Die Evolutionstheorie ist heute nicht nur die zentrale Theorie der Biowissenschaften, sondern reicht in verschiedene Disziplinen hinein, von der Sprachwissenschaft über die Sozialwissenschaften bis zur Pädagogik. Zu den neueren Abenteuern der Evolutionstheorie gehört zum Beispiel die Soziobiologie, die Beschreibung und Erklärung des sozialen Verhaltens der Lebewesen (einschließlich des Menschen) auf evolutionstheoretischer Grundlage. Die Soziobiologie erklärt die Vorteile der bei sehr vielen Arten auftretenden Gruppenbildung und erhellt, warum Lebewesen - trotz ständiger Konkurrenz - kooperieren und zu gegenseitiger Hilfe fähig sind.

 

Der Stammbaum der Sprachen

 

Außerhalb der Biologie bedienen sich heute auch die Sprachwissenschaften evolutionstheoretischer Erklärungsmodelle, was zu einem „Stammbaum" der Sprachfamilien führt. Dabei zeigt sich oft eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen der Entwicklung von Sprachen und dem biologischen Stammbaum menschlicher Populationen. Man kann also diesen Stammbaum dazu verwenden, um den Ursprung von Sprachfamilien zu rekonstruieren.

 

Franz M. Wuketits

 

Charles Darwin - Die Welt der Wissenschaft

Wie viel der ursprünglichen Thesen Charles Darwins der Evolutionstheorie enthalten ist, untersucht diese Ö1-Sendung vom 15.12.2009.